Oktober

Zaudernde Nebel gehen ums Haus,
Der Herbsttag kleidet die Bäume aus.
Werde nicht bang, Geliebte mein,
Die Liebe schläft nicht mit den Bäumen ein.
Verlöschen im Garten die Blumen wie Funken,
Sind die Gärten wie Spuk versunken,
Werden die Tage dunkel und scheuer,
Dir wächst in meiner Kammer unersättliches Feuer.
In langen Nächten küsst es sich gut,
Verliebte haben den Sommer im Blut.

Max Dauthendey . 1867-1918

Regentag im Herbst

Still vom grauen Himmelsgrunde
Sprüht der sanfte Regenstaub –
Trüber Tag und trübe Stunde –
Thränen weint das rothe Laub;
Vom Kastanienbaum ohn‘ Ende
Schweben still die welken Hände.
Trübe Herbstesregentage:
Gerne wandr‘ ich dann allein,
Was ich tief im Herzen trage,
Leuchtet mir in hellem Schein;
In die grauen Nebelräume
Spinn‘ ich meine goldnen Träume.

Und so träum‘ ich still im Wachen,
Bis der Abend niedersinkt,
Und in all den Regenlachen
Sanft und roth sein Abglanz blinkt.
In der Nähe, in den Weiten:
Rosenschimmer bessrer Zeiten!

Heinrich Seidel (1842 – 1906)

Herbstimpressionen die I.

„Ich gehe viel spazieren, einmal einfach, weil strahlendes Wetter ist, dann auch, weil ich schon die kommenden Herbststürme vorausahne. So nütze ich wie ein Geizhals aus, was Gott mir schenkt.“ – Marie de Sévigné, Briefe, an Frau von Grignan, 4. Oktober 1684

Herbst an den Fischteichen Paderborn
Herbst an den Fischteichen Paderborn

Herbst Lebensabend von Friedrich Rückert

Herbst Lebensabend

Du, dieses Jahres Abend, Herbst,
Sei meines Lebensabends Bild!
Wie langsam du den Hain entfärbst,
Und deine Sonn‘ ist frühlingsmild:
Es lacht das grünende Gefild‘
Tief im Oktober ohne Frost,
Und in der Traube schwillt der Most,
Wie in der Brust Begeist’rung schwillt.

Friedrich Rückert (1788 – 1866), alias Freimund Raimar, deutscher Dichter, Lyriker und Übersetzer arabischer, hebräischer, indischer und chinesischer Dichtung

Einfache Weisheiten

Im Herbst werden
– viele Bäume bunt,
– die Schatten lang,
– die Tage kürzer,
– die Nächte kälter,
– die Trauben reif,
– die Mücken stechfreudig,
– die Luft klarer,
– die Morgende frischer,
– die Abende kühler,
– die Nüsse, Kastanien und Eicheln reif,
– die Seen und Teiche wieder durchsichtig,
– die Stimmungen melancholisch
– …

Septembersonne

Der Herbst ist da mit ganz viel Sonne,
der Mensch genießt es voller Wonne,
die Blätter färben sich ganz leise
und schmücken alles auf ihre Weise.

Altweibersommer so wird’s genannt,
ist auch als Indian Summer bekannt,
alles leuchtet in Gelb und Zinnober,
hoffentlich folgt ein goldener Oktober.

Achim Schmidtmann

Leckere Herbstgerichte

Zu den leckersten Herbstgerichten gehören sicherlich solche mit Kürbis. Eine ganz wunderbare Auswahl von Kürbisgerichten findet man unter: http://www.rezeptesammlung.net/ldoe_kuerbisgerichte1.htm

Eines davon möchte ich hier präsentieren:

Kürbisstrudel
Strudelteig (z.B. Tiroler Strudel), 1 Kürbis,
2 EL Butterschmalz, 1 Zwiebel,
250 g Topfen, 100 g Butter,
4 Eier, 1/4 l Sauerrahm, 100 g Mehl,
Salz, Pfeffer, Kümmel, gem. Dille,
2 EL Kürbiskerne.

Kürbis schälen, entkernen, raspeln und salzen. Zwiebel in Butterschmalz anrösten, Kürbis ausdrücken und dazugeben. Butter schaumig rühren. Dotter und Topfen nach und nach dazu rühren. Dotter- und Kürbismasse, Sauerrahm, Gewürze und Dille vermengen. Eiklar mit einer Prise Salz aufschlagen und mit dem Mehl unter die Kürbismasse heben. Fülle auf Strudelteig verteilen, einrollen und auf ein gefettetes Backblech legen. Mit Butter bestreichen und mit Kürbiskernen bestreuen. Bei 180 Grad ca. 30 Minuten backen.

vielen Dank an: http://www.rezeptesammlung.net

Herbstabend

Herbstabend

Auf der Erde Nacht und Dunkel,
Oed` die Flur und kahl der Hag,
Droben sternig Lichtgefunkel
Wie ein sel`ger Himmelstag.

Klagst du, daß die Blätter fliegen?
Laß das Laub dem Sturm der Nacht!
Dunkel mag die Erde liegen,
Droben ist ja Licht entfacht!

Schau`nur zu den Sternenauen:
Immer neuer Sterne Schaar
Wird dein staunend Auge schauen,
Goldenlicht und wunderbar.

Staunend stehst du lichte Sterne
Auch in deiner Seele klar,
In der Nähe, in der Ferne
Wirst du freudig sie gewahr.

Trauerst du, daß Blätter fliegen?
Laß das Laub dem Sturm der Nacht!
Dunkel mag die Erde liegen;
Ist ja Licht genug entfacht!

Franz Alfred Muth (1839-1890)

Oktoberlied von Theodor Storm

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden,
ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!
Und wimmert auch einmal das Herz –

Stoß an und laß es klingen!
Wir wissen’s doch,
ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;

Schenk ein den Wein,
den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden,
ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen!

Theodor Storm

Herbstmärchen

Herbstmärchen

Rot steht der Wald, der Wind nur schwebt
Im Grün der Tannen und der Fichten,
Herbstregen Nebelmärchen webt,
Gar wunderseltsame Geschichten.

Nicht von der Nachtigallen Land,
Von Mondlicht nicht und Elfenreigen,
Von Gnomen, die hierher gebannt,
Schatzgräbern in dem nächt`gen Schweigen.

Das Schlänglein, das am Boden zischt,
Der Rabe, kreischend in den Lüften,
Die Blume, nie vom Than erfrischt,
Wer zaubert sie aus diesen Schlüften?

Rot steht der Wald, der Wind nur schwebt
Im Grün der Tannen und der Fichten,
Herbstregen Nebelmärchen webt,
Gar wunderseltsame Geschichten.

Franz Alfred Muth (1839-1890)