Herbstimpressionen die I.

„Ich gehe viel spazieren, einmal einfach, weil strahlendes Wetter ist, dann auch, weil ich schon die kommenden Herbststürme vorausahne. So nütze ich wie ein Geizhals aus, was Gott mir schenkt.“ – Marie de Sévigné, Briefe, an Frau von Grignan, 4. Oktober 1684

Herbst an den Fischteichen Paderborn
Herbst an den Fischteichen Paderborn

Einfache Weisheiten

Im Herbst werden
– viele Bäume bunt,
– die Schatten lang,
– die Tage kürzer,
– die Nächte kälter,
– die Trauben reif,
– die Mücken stechfreudig,
– die Luft klarer,
– die Morgende frischer,
– die Abende kühler,
– die Nüsse, Kastanien und Eicheln reif,
– die Seen und Teiche wieder durchsichtig,
– die Stimmungen melancholisch
– …

Septembersonne

Der Herbst ist da mit ganz viel Sonne,
der Mensch genießt es voller Wonne,
die Blätter färben sich ganz leise
und schmücken alles auf ihre Weise.

Altweibersommer so wird’s genannt,
ist auch als Indian Summer bekannt,
alles leuchtet in Gelb und Zinnober,
hoffentlich folgt ein goldener Oktober.

Achim Schmidtmann

Herbstabend

Herbstabend

Auf der Erde Nacht und Dunkel,
Oed` die Flur und kahl der Hag,
Droben sternig Lichtgefunkel
Wie ein sel`ger Himmelstag.

Klagst du, daß die Blätter fliegen?
Laß das Laub dem Sturm der Nacht!
Dunkel mag die Erde liegen,
Droben ist ja Licht entfacht!

Schau`nur zu den Sternenauen:
Immer neuer Sterne Schaar
Wird dein staunend Auge schauen,
Goldenlicht und wunderbar.

Staunend stehst du lichte Sterne
Auch in deiner Seele klar,
In der Nähe, in der Ferne
Wirst du freudig sie gewahr.

Trauerst du, daß Blätter fliegen?
Laß das Laub dem Sturm der Nacht!
Dunkel mag die Erde liegen;
Ist ja Licht genug entfacht!

Franz Alfred Muth (1839-1890)

Herbsttag

Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten reif zu sein
gib Ihnen noch zwei südlichere Tage
dräng sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr
wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird lesen, wachen, lange Briefe schreiben
und wird auf den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke, 1875-1926

Herbstgedanken

Nebel liegt über der Stadt,
ein feiner Regen fällt hernieder
er filtert die Farbigkeit des Herbstlaubs,
langsam, langsam kommt er.

Die Gräser sterben ab und werden braun,
das Licht wird jeden Tag schwächer,
es legt sich aufs Gemüt,
langsam, langsam kommt er.

Doch da ein Sonnentag,
die farbigen Blätter erstrahlen,
die Herbstsonne wärmt und ermuntert
aber immer noch kommt er.

Nun heißt es Vorbereitungen treffen,
Kleidung und Ausrüstung vorbereiten
in die richtige Stimmung geraten, denn
am 11.11. beginnt die 5. Jahreszeit!

(von mir 🙂 )

Klausur

Klausur

Rauchende Köpfe über leeren Blättern,
quietschende Sitze, raschelnde Zettel,
schweres Atmen und unruhiges Zappeln,
Puls und Blutdruck erhöht.

Lösung parat, den Stift gezückt,
Buchstaben fliegen über das Blatt,
schnell wird geblättert und weiter geschrieben,
doch ein plötzlicher Stopp – war das richtig?

Stöhnen und häufige Blicke auf die Uhr,
die Zeit vergeht im Nu
weitere Ansätze schnell skiziert,
war Lösung leichter als gedacht?

Wirre Gedankengänge verwehren den Ausgang,
verwischen Wahrheit mit Trug,
hier noch mal überlegen und dort noch ein Satz,
die Zeit ist um, es ist genug.

Achim Schmidtmann