Archiv für die Kategorie „Sprüche und Gedichte“

In der Winternacht – ein Déjà-vu-Erlebnis

Dienstag, 16. Februar 2010

In der Winternacht

Es wächst viel Brot in der Winternacht,
Weil unter dem Schnee frisch grünet die Saat;
Erst wenn im Lenze die Sonne lacht,
Spürst du, was Gutes der Winter tat. –
Und deucht die Welt dir öd und leer,
Und sind die Tage dir rauh und schwer:
Sei still und habe des Wandels acht:
Es wächst viel Brot in der Winternacht.

Friedrich Wilhelm Weber

Karnevalsgedicht

Freitag, 5. Februar 2010

Es ist die Zeit der Masken und Gewänder
die Zeit der Ballons und bunten Bänder
die Zeit für Lachen und Heiterkeit
drum macht Euch zeitig nun bereit!

Denn wer nicht kommt zur rechten Zeit,
verpasst vielleicht die schöne Maid,
die angetan mit feinstem Tuch,
Dich herzt und küsst bis es genug.

Dann kannst Du noch mit vollen Krügen
mit Sang und Tanz und viel Vergnügen,
die Narrenzeit intensivst genießen,
bis dass die Türen sich verschließen.

Achim Schmidtmann



Karneval Megastore

Januar von Robert Reinick

Samstag, 23. Januar 2010

Wohin man schaut, nur Schnee und Eis,
Der Himmel grau, die Erde weiß;
Hei, wie der Wind so lustig pfeift,
Hei, wie er in die Backen kneift!
Doch meint er’s mit den Leuten gut,
Erfrischt und stärkt, macht frohen Mut.
Ihr Stubenhocker, schämet euch.
Kommt nur heraus, tut es uns gleich.
Bei Wind und Schnee auf glatter Bahn
Da hebst erst recht der Jubel an!

Robert Reinick

Im neuen Jahre Glück und Heil… – ein Goethe-Gedicht zu Neujahr

Freitag, 1. Januar 2010

Im neuen Jahre Glück und Heil…

Im neuen Jahre Glück und Heil;
Auf Weh und Wunden gute Salbe!
Auf groben Klotz ein grober Keil!
Auf einen Schelmen anderthalbe!

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Silvesternacht – ein Gedicht von Ludwig Thoma

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Silvesternacht

Und nun, wenn alle Uhren schlagen,
So haben wir uns was zu sagen,
Was feierlich und hoffnungsvoll
Die ernste Stunde weihen soll.

Zuerst ein Prosit in der Runde!
Ein helles, und aus frohem Munde!
Ward nicht erreicht ein jedes Ziel,
Wir leben doch, und das ist viel.

Noch einen Blick dem alten Jahre,
Dann legt es auf die Totenbahre!
Ein neues grünt im vollen Saft!
Ihm gelte unsre ganze Kraft!

Wir fragen nicht: Was wird es bringen?
Viel lieber wollen wir es zwingen,
Dass es mit uns nach vorne treibt,
Nicht rückwärts geht, nicht stehen bleibt.

Nicht schwächlich, was sie bringt, zu tragen,
Die Zeit zu lenken, lasst uns wagen!
Dann hat es weiter nicht Gefahr.
In diesem Sinne: Prost Neujahr!

Ludwig Thoma (1867-1921)